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Wednesday, 17. January 2018

Reaktion zum Thema Alkohol

Nach dem Artikel dachte ich mir, dass ich mal meine Gedanken dazu schildere. Mich beschäftigt auch, wie ich mit dem Thema umgehen soll/möchte. Ich bin einer der Newcomer, habe also jetzt im September erst meine Stelle als Jugendpastor in der FeG Hamburg-Sasel angetreten.
Mir ist bewusst, dass ich von unterschiedlichen "Fraktionen" der Gemeinde unterschiedliche wahrgenommen und bewertet werde; auch was das Thema Alkohol angeht.
So neu ist dieser Jugendtrend, denke ich, gar nicht. Und das Ende ist auch noch lange nicht erreicht. Bei Thema Alkohol ist England meist ein trauriger Vorreiter an deren Entwicklungen auch der deutsche Trend abzusehen ist.
Das Alkohol ein erstzunehmendes Problem ist, kann mit "totschweigen" schon lange nicht mehr verheimlicht werden.
Ob nun das "Totschweigen" dafür verantwortlich ist, dass Alkohol in christlichen Kreisen ein ebenso großes Problem ist, wie in nicht-christlichen, oder die Jugendlichen sich stärker an den Einflüssen von außen orientieren, sei an dieser Stelle mal dahin gestellt.
Ich möchte gern kurz erläutern, wie ich mir den Umgang mit Alkohol, vor allem für Jugendarbeit, vorstelle. Natürlich können wir uns in eine oppositionelle Haltung zur Gesellschaft stellen und Abstinenz predigen. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass wir uns dann von der Gesellschaft unsere Haltung vorschreiben lassen; nämlich immer die Gegenteilige.
Ich halte jedoch diese Position für falsch. Vor allem dann, wenn wir privat gern mal ein Glas Wein oder ein kühlen Bier genießen.
Viel wichtiger finde ich es, dass wir ein positives Vorbild in Sachen Alkoholkonsum sind. Dazu gehört für mich, dass wir als Jugendleiter transparent mit unserem eigenen Alkoholkonsum umgehen. Wenn wir mit den Jugendlichen weggehen, feiern… sollte Alkohol nicht durch ein Verbot noch reizvoller gemacht werden. Im Gegenteil. Ich würde mir wünschen, dass wir auch mit den Jugendlichen zusammen ein Bier trinken können. Das sollten wir nicht in unseren "privaten" Bereich verlagern und bei den Jugendlichen ausklammern.
Selbstverständlich ist, dass die gesetzlichen Vorschriften unbedingt eingehalten werden.
Alkohol als Genuss- und nicht als Konsummittel zu verstehen werden Jugendliche sicher nicht in ihrem schulischen Umfeld und auch nicht in ihrem nicht-christlichen Freundeskreis lernen.
Wenn wir das Thema ausklammern, werden sie sich die Vorbilder an andrer Stelle suchen.
Ich glaube, dass wir die Jugend an dieser Stelle nur prägen können, wenn wir ihnen Verantwortung beibringen. Zu dieser Verantwortung gehört, dass sie sich an uns ein Vorbild nehmen können. 

Denn wenn nicht an uns, an wem dann?


Benjamin Morise
Jugendpastor der FeG Hamburg-Sasel