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Tuesday, 16. January 2018

Bibel – Das Powerwort

Als Bund FeG sagen wir in der Präambel unserer Verfassung, dass die Bibel Grundlage für Glaube, Lehre und Leben in Freien evangelischen Gemeinden ist. Das hört sich vielleicht erst mal sehr staubig an. Aber das ist, wenn man mal genauer hinschaut, unheimlich ausdrucksstark. Denn es bedeutet, dass dieses uralte Buch, diese Sammlung von Schriften die Autorität hat als Grundlage zu dienen. Und das nicht nur in Gemeindebelangen, sondern auch im Blick auf unser persönliches Leben.

Aber wieso rechnen wir der Bibel diese Autorität zu? Weil wir davon überzeugt sind, dass sie Wort Gottes ist. Dass sie eben nicht nur irgendeine Sammlung religiöser Schriften ist, sondern dass Gott selbst durch sie redet. Und nicht nur das, wir glauben auch, dass Gott durch sie wirkt. Dass sie keine tote Schrift ist weil der lebendige Gott selbst sie lebendig werden lässt. Sie hat die Power in unser Leben hinein zu wirken und unser Leben zu verändern. Hier und heute, lange nach ihrer Abfassung. Denn Gott redet durch sie und Gott wirkt durch sie. Und durch Gottes Power wird die Bibel zum Powerwort. Und genau darum soll es in diesem Bibelarbeitsentwurf gehen.

 

Bibelstellen:

Mein Wort brennt wie Feuer. Es ist wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt! (Jer. 23,29 GNB)

Denn eines müssen wir wissen: Gottes Wort ist lebendig und voller Kraft.

Das schärfste beidseitig geschliffene Schwert ist nicht so scharf wie dieses Wort,das Seele und Geist und Mark und Bein durchdringt und sich als Richter unserer geheimsten Wünsche und Gedanken erweist. (Heb 4,12 NGÜ)

 

Vorschlag für einen Einstieg in die Einheit

Es bietet sich an mit dem Lied „Dein Wort“ von Nimmzwei (mitllerweile Superzwei) einzusteigen (zu finden auf dem Album „Wir wollen nur deine Seele“). Es karikiert die Bibel als netten Gegenstand, der gut im Regal aussieht, aber nicht mehr als ein schicker Staubfänger ist.

Macht dann im Plenum ein offenes Brainstorming zum Thema „Bibel“ (Flipchart, Whiteboard oder Beamer) und haltet das Ganze schriftlich fest.

Danach lasst den ersten der beiden Bibeltexte für die Teilnehmer in einer Außenaktion lebendig werden. Bringt einen Vorschlaghammer und einen Stein mit (nicht zu groß aber auch nicht zu klein) und lasst einen Mitarbeiter diesen Stein mit dem Vorschlaghammer kaputt hauen. Je nach Alter der TeilnehmerInnen könnt Ihr sie das auch machen lassen. Wichtig ist, dass Ihr auf die Sicherheit achtet (Schutzbrille für die Person, die den Stein bearbeitet, aufpassen, dass der Hammer nicht aus der Hand fliegt, Zuschauer sollten genügend Abstand halten damit sie nicht von eventuell herumfliegenden Splittern verletzt werden)! Es wird relativ schnell klar werden, was für ein Kraftakt es ist einen Stein mit einem Hammer zu zerschlagen. Man braucht schon richtig Power dafür.

Baut dann ein Lagerfeuer auf (entweder auf dem Boden oder in einem Feuerkorb o.ä.). Lasst die TeilnehmerInnen die Hitze spüren, die das Feuer abgibt. Lasst sie beobachten, wie das Feuer wächst und lebendig scheint. Solltet Ihr das im Winter machen könnt Ihr dabei noch beobachten, wie das Feuer den umliegenden Schnee schmilzt.

Nach dem Einstieg bietet es sich an eine kurze Plenumsphase anzuschließen (wenn die TeilnehmerInnen nach den Einstiegsaktionen sehr aufgekratzt sein sollten könnt Ihr hier vielleicht noch ein paar Lieder singen um sie wieder runter kommen zu lassen). Lest die erste Bibelstelle vor und bezieht die Einstiegsaktionen darauf. Geht darauf ein, wie das Feuer gewachsen ist, welche Energie es abgestrahlt hat und wie viel Kraft es brauchte um den Stein zu zerschlagen. Bezieht das dann auf das Wort Gottes. Es ist so energiegeladen wie das Feuer und hat nicht nur die Kraft einen kleinen Stein zu zerschlagen, sondern ganze Felsen. Das ist Power.

Wechselt dann in eine Kleingruppenphase. Hier geht es schwerpunktmäßig um den zweiten Bibeltext.

 

Kleingruppenphase

Dieser Bibelvers hat m.E. das Potenzial erst einmal negative Assoziationen bei den TeilnehmerInnen hervorzurufen (vielleicht ja auch bei euch). Der erste Satz vielleicht noch nicht. Er greift im Grunde das nochmal auf, was Ihr in der Einstiegsphase verdeutlicht habt. Gottes Wort ist nichts totes oder schlaffes. Es ist nicht einfach ein verstaubtes Buch. Sondern es ist lebendig und kraftvoll. Wie Feuer und Hammer.

Dann sieht es aber schon schwieriger aus. Beim Schwert kommt einem vielleicht erst einmal die Assoziation mit einer tödlichen Waffe. Und beim Gedanken an einen Richter, der unsere geheimsten Wünsche und Gedanken kennt wird einem auch schnell mulmig zumute und es macht sich fast automatisch ein schlechtes Gewissen breit. Wie gesagt, das muss alles nicht so sein, kann aber. Und hier hat der Abend das Potenzial zur Gesetzlichkeit und das muss absolut vermieden werden. Ein Bild, dass Gott als jemanden erscheinen lässt, der uns überwacht und nur darauf wartet, dass wir etwas falsches tun oder vielleicht auch nur denken macht Angst und ist vollkommen schief.

Deshalb ist es sehr wichtig eventuelle negative Assoziationen der TeilnehmerInnen wahr zu nehmen, vielleicht auch ein bisschen herauszukitzeln und sie dann auch aufzunehmen. Das kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen. In einer kommunikativen und offenen Gruppe funktioniert das wahrscheinlich gut über ein Gespräch mit geschickten Fragen (wichtig ist es hier die ruhigeren in der Gruppe nicht aus den Augen zu verlieren und auch sie dazu zu bringen ihre Gefühle im Blick auf den Text zu äußern). Eine andere Möglichkeit wäre die TeilnehmerInnen eine Collage über den Bibeltext erstellen zu lassen (dafür müssen dann die notwendigen Materialien wie Zeitschriften, Scheren, Kleber, Plakate etc. vorhanden sein). Beides sind nur Vorschläge und Ihr müsst wissen, was für Eure Gruppe gut und angemessen ist. Wichtig ist, wie gesagt, dass ihr es schafft die negativen Emotionen (so sie denn da sind) im Blick auf den Bibeltext auf- und ernst zu nehmen.

Wenn ihr die Stimmung eurer TeilnehmerInnen aufgenommen habt, dann geht einen Schritt hin zu einer positiven Füllung des Textes. Der Text will uns keine Angst machen, vor einem Gott, der uns kontrolliert und eine reinhaut, wenn ihm irgendetwas nicht passt. Es geht darum, dass Gottes Wort unser ganzes Wesen durchdringt. Alles, was uns ausmacht und alles was uns beschäftigt. Jeder Bereich unseres Daseins wird durchdrungen vom Wort Gottes, wenn wir uns darauf einlassen. Und das Wissen darum, dass wir von Gott bedingungslos angenommen sind und er uns ohne Vorbehalte und ohne Gegenleistung liebt zeigt: Hier geht es eben nicht um böswillige Kontrolle. Hier geht es darum, dass Gottes Wort uns Dinge in unserem Leben aufzeigt, die schieflaufen. Dinge die nicht gut für uns sind. Dadurch, dass uns diese Dinge klar werden haben wir dann die Möglichkeit daran zu arbeiten. Und weil ich weiß, dass Gott mir keinen auf den Deckel gibt, wenn das mal nicht klappt, kann ich mich verändern. Schritte gehen, manchmal kleine, manchmal große hin zur Veränderung.

Gott zeigt uns in der Rolle eines guten Kritikers durch sein Wort Dinge auf, die schief laufen. Dinge, die uns und Menschen um uns herum schaden. Dinge, die auch unserer Beziehung zu Gott schaden. Und weil Gott als unser liebender Vater das Beste für uns möchte weist er uns auf diese Dinge hin. Das ist nicht immer angenehm, teilweise legt Gott den Finger auch mal ganz schön in eine Wunde. Aber das alles tut er aus Liebe zu uns und weil er unser Bestes will. Und liebevolle Kritik ist dann auch etwas, das wir annehmen können und das uns nicht kaputt macht. Wenn wir versuchen Dinge in unserem Leben zu ändern, weil wir Angst vor Gott haben, dann wird das nicht funktionieren und macht uns auf Dauer kaputt. Denn wir gehen nur noch gebückt und angstvoll durch unser Leben. Angst ist die schlechteste Motivation für Veränderung. Wenn ich allerdings erkenne, dass Gott es gut mit mir meint und dass die Veränderungsvorschläge, die er mir macht gut für mich sind, dann ist das ein Boden auf dem Neues wachsen kann und auf dem nachhaltige Veränderung möglich ist. Und es ist ja auch nicht so, dass wir Veränderung in unserem Leben alleine erwirken müssten. Gottes Kraft drückt sich ja nicht nur dadurch aus, dass er uns durch die Bibel Dinge klar macht. Sondern auch dadurch, dass er selbst an uns arbeitet und damit Veränderung eigentlich erst möglich macht.

 

Zusammengefasst heißt das:

-         Wenn wir anhand des Textes Gott als einen Richter in dem Sinne verstehen, dass er unser Leben bis ins Kleinste durchleuchtet, um nach Fehlern zu suchen die er bestrafen kann, dann wird das Angst machen und ist ungesund.

-         Angemessener ist das Bild eines liebevollen Kritikers, der uns, weil er uns liebt, auf Dinge in unserem Leben hinweist, die schlecht für uns und andere sind.

-         Dadurch, dass Gottes Wort die ganze Tiefe, jeden Aspekt unseres Daseins durchdringt wird es für uns möglich eine Tiefenwahrnehmung im Blick auf uns selbst zu bekommen und auch blinde Flecken zu erkennen, die wir sonst nicht sehen würden.

-         Gott weist uns nicht nur auf diese Dinge hin, sondern bewirkt mit seiner Kraft auch die Veränderung.

-         Und so ist die Bibel das Power Wort. Sie hat die Power unser Leben zu verändern. Weil Gott durch sie an uns wirkt. Durch seine Kraft können wir uns verändern.

 

Nachdem Ihr in der Kleingruppenphase die negativen Emotionen der TeilnehmerInnen aufgenommen habt solltet Ihr versuchen Ihnen die o.g. positive Sichtweise anzubieten. Für den Übergang könnte die Frage geeignet sein, von wem die TeilnehmerInnen gerne Kritik annehmen und warum. Wahrscheinlich werden die TeilnehmerInnen Menschen nennen, von denen sie wissen, dass sie es gut mit ihnen meinen und die mit ihrer Kritik zu einer positiven Veränderung beitragen wollen. Hier könnt ihr dann die Brücke zu Gott schlagen, der es nicht nur gut mit uns meint, sondern auch genau weiß, was das Beste für uns ist und uns deshalb immer wieder auf unnachahmlich gute Art und Weise kritisiert.

 

Bündelung und Abschluss

Trefft euch wieder im Plenum und sprecht noch einmal über das Brainstorming vom Beginn. Was würden die TeilnehmerInnen stehen lassen, was würden sie verändern, was würden sie hinzufügen? Das hilft auch um rauszubekommen, ob sich an dem Bild, das die TeilnehmerInnen von der Bibel haben etwas verändert hat.

Gebt einen kurzen Abschlussimpuls, in dem ihr nochmal herausstellt, dass die Bibel eben nicht nur ein einfaches Buch ist, dass höchstens dazu geeignet ist im Regal ein bisschen Staub zu fangen. Sie ist keine schöne Sache im Regal, sondern Gottes lebendiges Wort. Gott selbst redet durch sie. Und das gibt ihr die Power Leben positiv zu verändern. Weil Gott uns unfassbar liebt und das Beste für uns möchte.

Wenn ihr zum Abschluss noch ein Lied singen möchtet, dann bietet sich bspw. „Gnade und Wahrheit“ von Albert Frey (Feiert Jesus 3, 118) an. Wenn eure Gruppe nicht gesangsfreudig ist könnt ihr es auch vorspielen.

 

Gottes Segen bei der Vorbereitung und Durchführung!

 

Kevin Thielmann