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Wednesday, 17. January 2018

Bibelarbeit zu Galater 4, 8-11

Zwischen Freiheit und Gesetzlichkeit

Freundschaft leben. Verantwortlich handeln.

8) Als Ihr Gott noch nicht gekannt habt, dientet Ihr wie Sklaven Göttern, die gar keine sind.

9) Jetzt habt Ihr Gott aber erkannt, oder besser gesagt: Gott hat Euch erkannt. Wie könnt Ihr dann wieder zu diesen schwachen und armseligen Mächten zurückkehren? Wollt Ihr von neuem Ihre Sklaven sein?

10) Ihr meint, Ihr müsst auf bestimmte Tage, Monate, Festzeiten, Jahre achten und Euch danach richten.

11) Ihr macht mir Sorgen!

 

„Ihr macht mir Sorgen!“

Einer meiner besten Freunde arbeitet zweimal in der Woche in seinem homeoffice. Dann muss er nicht kilometerweit ins Büro fahren sondern schmeißt ganz entspannt zuhause seinen Laptop an und arbeitet. Ich liebe diese beiden Tage in der Woche. Dann fahre ich zu ihm, wir trinken einen Kaffee, wir erzählen, wir beten miteinander. Diese Treffen geben unserer Freundschaft Tiefe. Diese Tiefe, die wir beide haben, zeigt sich ab und zu, wenn wir gemeinsame Projekte starten. Auf eine gewisse Art und Weise verstehen wir uns blind. Wo andere umständlich ihre Standpunkte abklären und gegen Missverständnisse ankämpfen müssen, da fluppt es bei uns einfach.

Meine Frage an Dich: Was macht für Dich Freundschaft aus?

 

Kein Mensch würde auf die verrückte Idee kommen, eine Freundschaft darüber zu definieren, dass jeder der beiden Parteien sich radikal an bestimmte Regeln hält. Ich dürfe dann niemals eines der beiden Treffen in der Woche ausfallen lassen. Mein Freund wäre tödlich beleidigt, würde ich seinen Geburtstag vergessen. Gehe ich Freitagabend mit einem anderen Freund auf ein Konzert, er würde Schluss machen. Das wäre nicht Freundschaft. Das wäre Zwanghaft. Statt Zwanghaft könnte man auch das Wort Gesetzlichkeit gebrauchen. Nichts anderes beschreibt Paulus in seinem Brief an die Galater, wenn er seine Gegenüber einer harten Kritik unterzieht: „Ihr meint, ihr müsstet auf bestimmte Tage, Monate, Festzeiten, Jahre achten und euch danach richten?“ Ihr macht mir Sorgen! (Galater 5, 10&11).

Meine Frage an Dich: Was macht für dich Christsein aus?

 

Worum es eigentlich geht

Irgendwie scheinen die Galater abgedriftet zu sein. Sie haben vergessen, worum es eigentlich geht. Sie sind sonntags pünktlich um 10:00 Uhr im Gottesdienst. Sie schimpfen über Homosexuelle und verachten Muslime.  Sie verpassen keinen TeenTreff. Sie würden niemals Sex vor der Ehe haben und wenn es so wäre, dann würden sie es nicht zugeben. Sie achten darauf nichts falsch zu machen. Sie sind richtig gute Christen geworden. Nur, dass es darum nie ging!!! Paulus schreibt: „Als Ihr Gott noch nicht gekannt habt, dientet Ihr wie Sklaven Göttern, die gar keine sind. Jetzt habt Ihr Gott aber erkannt, oder besser gesagt: Gott hat Euch erkannt. Wie könnt Ihr dann wieder zu diesen schwachen und armseligen Mächten zurückkehren? Wollt Ihr von neuem Ihre Sklaven sein?“

 

Dieses „Jetzt habt Ihr Gott aber erkannt, oder besser gesagt: Gott hat Euch erkannt“, hört sich ziemlich altdeutsch an. Paulus gebraucht hier das griechische Wort „ginosko“. Es lässt sich folgendermaßen übersetzen: „sich verstehen; einander wahrnehmen; sich anerkennen; miteinander schlafen; sich durch und durch kennen; sich spüren.“ Wow, es geht also um eine hammermäßige Freundschaft.

Dein Job: Fertige eine eigene Übersetzung dieses Satzes an.

 

In Balance leben

Meine Frage an Dich: Wo bist Du dazu in deinem Alltag herausgefordert „das Richtige zu tun“?

Wir müssen ständig Entscheidungen treffen. Was bedeutet es als Christ zu leben? Wo fängt Gesetzlichkeit an und wo hört Freiheit auf? Wie leben wir in Balance? Nicht in Beliebigkeit und nicht in Gesetzesfrömmigkeit. Die Bibel ist voller Gesetze und Jesus hat gesagt, dass er nicht gekommen sei um das Gesetz abzuschaffen. Was ist damit? „Den Sabbat sollst Du halten, dass Du ihn heiligst...“[1] Samstag oder Sonntag? Was, wenn manche Arbeiten müssen, damit ich frei habe? Fragen über Fragen... Auf einmal ist alles Relativ. Plural. Subjektiv. Wir können die Bibel nicht einfach schwarz-weiß tun!

Wie finden wir die Balance?

Meine Frage an Dich: Was für Ideen hast du?

 

Auf die Frage der Pharisäer hin, welches denn das wichtigste Gebot sei, antwortet Jesus folgendermaßen: „Liebe den Herrn deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand (hört sich nach Freundschaft an, oder?J)! Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Aber gleich wichtig ist ein zweites: Liebe deinen Mitmenschen wie Dich selbst!“

In der Spannung zwischen Freiheit und Gesetzlichkeit steht die Freundschaft mit Gott. Diese intime Liebesbeziehung. Sie erwartet nicht, dass der Partner immer alles korrekt macht und Fehlerlos ist. Sie liebt den anderen mit allen Macken und Stärken. Erst wenn ich aus dieser Liebesbeziehung zu Gott heraus handle, verliert mein Handeln die Gesetzlichkeit und wird zu einem Liebesdienst. Es geht also nicht darum immer das Richtige zu tun um Gott oder irgendwelche Götter zufriedenzustellen, sondern einfach nur darum, bei Gott zu sein und sich von ihm prägen zu lassen. Daraus entspring verantwortungsbewusstes Handeln. Nicht mehr zwanghaft und schwarz-weiß, sondern ehrlich und befreiend.

 

 

Weiterführende Fragen

·         Was bedeutet es für Dich, Gott als besten Freund/Freundin zu haben?

o    Wie kannst Du das leben?

·         Wo bist Du herausgefordert eine klare Position zu beziehen? Verantwortung zu übernehmen?

o    Hast Du den Eindruck, dass deinem Freund Gott etwas besonders wichtig ist?

·         Fühlst Du dich manchmal in deiner Freiheit von Gott eingeschränkt?

o    Wenn ja, wo und warum?

o    Siehst Du Möglichkeiten diese Einschränkung aufzulösen? Macht sie denn Sinn?

o    Was bedeutet diese Einschränkung unter dem Aspekt der Freundschaft?

o    Könnte diese Einschränkung für Deinen Nächsten Freiheit bedeuten?

·         Welche Rolle misst Du dem Wort Jesu: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ zu, wenn es für Dich darum geht, die Balance zwischen Freiheit und verantwortlichem Handeln zu finden?

Jan Hanser



[1] Siehe 5. Mose 5,12.