Sie sind hier: Info, Material & Download / Themen / Freiheit / Frei von Selbstlügen
Tuesday, 16. January 2018

Frei von Selbstlügen

Vorbereitung

Selbstlügen. – Was ist denn das? ging es mir durch den Kopf, als ich das erste Mal diesen Begriff las. Lügen, das Wort kenne ich. Mit ihm verbinde ich das Gegenteil von Wahrheit. Es ist falsch. Sie verdreht die Wahrheit. Oftmals ist sie für den einen mit Schmerz verbunden, denn sie verletzt sein Ansehen, seinen Ruf, sein Bild, ihn selbst. Wer nur einmal erlebt hat, wie eine Lüge über ihn selbst verbreitet wurde, weiß wie bedrückend es ist. Er weiß, wie sehr sie einen runterzieht und sein Leben lähmt. Der der die Lüge verbreitet schadet dieser Person. Manche Lügen, die verbreitet werden, haben so schreckliche, katastrophale Auswirkungen, dass man auch von Ruf-Mord spricht. Andere Menschen haben kein Vertrauen mehr in diese Person. Sie erkennen nicht, was wahr und was lüge ist. Die Folge ist, sie ziehen sich von ihm zurück. Er wird einsam. Sein soziales Leben stirbt.

Als ich näher darüber nachdachte, fiel mir auf, es stimmt auch in Menschen gibt es Selbstlügen. Da sind Gedanken, die falsch sind. (Du wirst nur geliebt, wenn Du… stark, sportlich, brav, lieb, stark bist. Du bist ein Weichei. Du bist hässlich. Du kannst überhaupt nichts. ….) So merkwürdig das klingt, aber in mir sind Lügen über mich selbst. Und ähnlich wie die Lügen zwischen Personen, haben Selbstlügen ähnlich, katastrophale Folgen. Diese Selbstlügen ziehen mich runter. Sie verletzen, verzerren das Bild, das ich mir von mir mache. Sie quälen mich. Sie sind wie eine Seuche, ein schleichendes Gift. Gegen manche versuche ich anzukämpfen, versuche das Gegenteil (mir) zu beweisen.

Ich glaube, dieses Thema Selbstlügen und Wahrheit ist wichtig und spannend. Hier begegnet uns das Evangelium hautnah. Jesus will uns mit seiner Gnade und Wahrheit begegnen und uns von unseren Selbstlügen befreien. Er will uns aufrichten und uns neues Leben schenken. Ich bitte Dich, diese Bibelarbeit für Dich selbst zu machen. Lass Dich selbst auf dieses Thema ein. Bitte Jesus, Dir zu zeigen, was er über Dich denkt und bitte ihn bei Dir Lüge(n) aufzudecken.

Wie erkenne ich Selbstlügen? Nicht jede Lüge ist direkt sichtbar und erkennbar als solche.  Lügen sind verdrehte Wahrheit, d.h. etwas stimmt, aber so wie sie verdreht wurde eben nicht mehr. Sie führt auf die falsche Fährte. Wir brauchen Momente der Wahrheit, der Erleuchtung, wo uns ein Licht aufgeht. Sie sind nicht machbar, aber wir können uns der Wahrheit aussetzen. Das singen wir doch immer so schön ;-) (Wir schauen der Wahrheit ins Auge…). Gottes Wort überführt uns, wo wir falsch denken und unserer Lüge aufgesessen sind. Es schleift und hobelt. Es ist für uns wie Honig und Medizin. Der Evangelist Johannes schreibt, dass die Menschen damals Jesus erlebt haben, wie er mit der vollen Wahrheit und vollen Gnade in ihr Leben getreten ist (Joh 1, 14). Es hat sie verändert. Ich erkenne mich nur durch ein Gegenüber, durch ein Du. Was sagt denn der dreieinige Gott über sich und was sagt er über mich? Und wem schenke ich dann mehr Gehör sprich Glauben? Meinen Gedanken oder Gottes Gedanken? Was ist die Konsequenz, wenn ich Gottes Wort keinen Glauben schenke? Im Grunde genommen sage ich: Gott, du liegst falsch. Du lügst.

Und wie gehe ich mit der erkannten Selbstlüge um? Ich kenne zwei Wege. Der erste ist der drei Affen. Ich mach die Augen zu, halt mir die Ohren zu und sag nichts. Es bleibt alles beim Alten.  Der zweite Weg wird mich herausfordern, nämlich Gott zu vertrauen, ihm zu glauben und mich neu sehen lernen, trotz allem was mich aufhalten will. Es wird Rückschläge geben. Was heißt das konkret? Wenn mir Jesus diesen Moment der Wahrheit schenkt, dann darf ihm bekennen und beichten, wo ich falsch lag. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, wenn ich dieses Bekenntnis noch vor einem vertrauenswürdigen Zeugen laut ausspreche. Manchmal gebe ich dieser Person auch die Erlaubnis, mich später noch mal nachzuhaken und ich ihr wahrhaftig Rechenschaft ablege. Außerdem versuche ich meine alten Gedanken mit neuen, mit Gottes Gedanken zu überschreiben. Sprich ich habe einen Bibelvers der mich an einen bestimmten Gedanken erinnert, ein Gedicht an einer bestimmten Stelle hinterlegt und schaue im Laufe des Tages immer wieder darauf, lerne es auswendig. Wenn dieser Lügengedanke auftaucht versuche ich mich an den anderen Gedanken zu erinnern (lassen). Ich erzähle anderen Menschen von „meiner“ Selbst-Erkenntnis. Das darüber sprechen hilft mir, nicht zu schnell zu vergessen was ich gelernt habe, macht mich froh und dankbar über einen Gott der mir voll Gnade und Wahrheit begegnet und mich nicht meiner todbringenden Selbstlügen überlässt.

Durchführung

Brainstorming zu Wahrheit und Lüge

Schreibe auf ein großes Blatt Papier die beiden Begriffe Wahrheit und Lüge! Die Teilnehmer werden eingeladen ihre Assoziationen aufs Blatt zu bringen, halte dazu genügend Stifte bereit. Sie dürfen ihre Gedanken, Sprichworte, Zitate und Gefühle aufschreiben. Während des Brainstormings ist Reden nicht erlaubt.

 

Überleitung und erster Gedankenanstoß

Wenn Du das Gefühl hast, es kommen keine Gedanken mehr, dann beende diese Phase in dem Du Euer Ergebnis zusammenfasst. Stell heraus, dass Lügen kaputt machen. Sie strapazieren Beziehungen und gefährden Beziehungen zu anderen. Lügen kommen aber nicht nur zwischen Menschen vor. Manche Lügen sind auch in unserem Herzen, in unserem Kopf über uns selbst. Nicht immer denken wir gute Gedanken über uns… Da sind auch manche Gedanken, die nicht stimmen. Sie machen traurig, verletzen uns, verunsichern, belasten,…

 

Clip http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=litXW91UauE

Vor einiger Zeit hat mir eine Freundin den Link zu diesem Clip geschickt. Mich hat dieser Clip sehr bewegt. Ich begann darüber nachzudenken, welches Bild habe ich mir eigentlich über mich gemacht? Manche Gedanken ziehen mich runter, belasten mich. Sie sind nicht die Wahrheit, sondern Lüge. Worum geht es in diesem Clip? Eine Körperpflegemarke hat vor einiger Zeit eine Umfrage unter Frauen gemacht. In ihren Spots wollen sie vermitteln, dass jede Frau schön ist. Der Clip zeigt ein Experiment. Die Teilnehmerinnen beschreiben ihr Gesicht einem Phantombildzeichner. Auf Grund ihrer Beschreibung, ohne dass er sie gesehen hat, erstellt er ein Portrait von ihr. Im zweiten Teil sieht eine weitere Teilnehmerin diese Frau. Auch sie beschreibt dem Zeichner ihren Eindruck von der Frau. Am Ende kommt es zu einer verblüffenden Gegenüberstellung der Portraits. Dieser Clip ist auf Englisch. Es empfiehlt sich den Teilnehmern kurz die Idee des Clips zu erzählen.

 

Vertiefung in Kleingruppen (Geschlechter getrennt)

Mögliche Fragen – kein Zwang alle durchzuackern - :

Was hat euch an dem Clip gefallen? Was nicht?

Welche(r) Gedanke(n) ist euch beim Ansehen des Clips gekommen?

(Ist es nur ein Mädels-/ Frauenproblem, dass sie sich eher kritisch, falsch wahrnehmen als Jungs?)

Mit welchen Stichworten würdest Du dich beschreiben?

 

Gib den Teilnehmern Zettel und Stifte. Bitte sie für sich zu überlegen, welche Gedanken ihnen in der letzten Woche über sich gekommen sind. Überlege selbst mit, welche Gedanken Dir in der letzten Woche(n) gekommen sind!

Wenn bei Euch in der Gruppe die Offenheit besteht, dann erzählt Euch gegenseitig, was Dir in den Sinn kommt. Gerade dieses Thema ist, wie ich finde, sehr sensibel. Wundere Dich nicht, wenn vielleicht nichts kommt. Ich glaube aber, Offenheit macht anderen Mut sich zu öffnen. Erzähl den Teilnehmern von Dir, welcher Gedanke Dir oft kommt. Was macht dieser Gedanke mit Dir? Mir kam öfter der Gedanke: „Du bist hässlich.“. Es macht mich traurig. Der Gedanke, und leider gesellen sich zu dem Gedanken noch ein paar andere hinzu, macht mich unsicher mich vor Menschen zu stellen. Ich fühle mich unfrei, einsam, verletzlich,… Für mich wird es zu einer Hürde Gottes Auftrag zu erfüllen, nämlich seine Gute Nachricht weiter zu sagen und zu predigen. Ich werde neidisch auf andere, die manches haben/ sind, was ich mir wünsche, aber nicht habe/ bin.

Wenn Ihr ins Gespräch kommt, überlegt doch mal wann kommt Dir besonders häufig der Gedanke. Hier ein paar Möglichkeiten: Wenn Du müde bist, mit bestimmten Leuten zusammen bist, eine TV-Sendung schaust, eine Situation (wieder) erlebst, …

 

Unsere Gedanken sind nicht immer von Gnade und Wahrheit bestimmt. Im Gegenteil. Aber wir brauchen sie, damit wir befreit los leben können. Johannes, ein Mensch, der Jesus intensiv beobachten konnte, beschreibt die Begegnung mit ihm so: „Er, das Wort, wurde ein Mensch. Er lebte bei uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Es war die Herrlichkeit, die ihm der Vater gegeben hat – ihm, seinem einzigen Sohn. Er war ganz erfüllt von Gottes Gnade und Wahrheit.“ (Johannes 1, 14 Basis B). Lest diesen Vers gemeinsam.

 

Was würde passieren, wenn Euch Jesus mit seiner Gnade und Wahrheit begegnen würde?

Was würde er zu Euren Gedanken sagen? Woran würde er Euch erinnern?

Wie würdet Ihr Euch verhalten? Anders?

 

Und jetzt? Überlegt gemeinsam wie könnt Ihr mit euren Gedanken/ Selbstlügen umgehen?

Jesus fragen/ beten: Was denkst Du über mich? Was soll ich Deiner Meinung nach über mich glauben, denken?

Mit einer Person deines Vertrauens sprechen und vor dieser Person und Jesus bekennen, welche Gedanken Du gedacht hast und Jesus nicht geglaubt hast.

Erinnerungshilfen überlegen.

Darüber sprechen.

 

Gib den Teilnehmern einen Bibelvers mit oder suche mehrere aus und lass sie auswählen. Bei Antje S. Naegeli, in: Die Nacht ist voller Sterne, habe ich folgendes Gedicht gefunden (S. 116f.):

 

Mich neu sehen lernen

 

     Ich bin wert,
     auch wenn ich
     vieles an mir entdecke,

     das mich entmutigt

     und bekümmert.

Ich bin wert
Auch wenn ich
Schuldig geworden bin
Und es mir schwerfällt
Mir zu verzeihen.

Ich bin wert,
auch wenn ich nichts vorzuweisen habe,
das mir Beachtung und Anerkennung brächte,
wenn meine Kräfte gering sind
und ich mir nur wenig zutrauen kann.

Ich bin wert,
auch wenn es Menschen gibt,
die mich ablehnen
und Ansprüche auf mich zukommen,
die ich nicht zu erfüllen vermag.

Ich bin wert,
auch wenn ich wenig Liebe empfangen habe,
wenn andere es mir schwer gemacht,
wenn sie mir unrecht getan
und mich zurückgestoßen haben.

Ich bin wert,
weil ich von dir gewollt und bejaht bin,
Herr, du mein Gott;
Du nimmst mich in Schutz
Vor anderen Menschen und vor mir selber.

Das ich wert bin
in deinen Augen,
übersteigt mein Fühlen und Begreifen,
aber deine Zusagen sind verlässlicher
als meine unbestimmten Gefühle.
Und wenn es auch ein langer Weg sein mag,
bis ich mich neu sehen lerne,
so weiß ich doch:

Du hast ungezählte Möglichkeiten,
mir Anteil zu schenken
an deinen guten Gedanken
über mich.

 

Debora Süßlack