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Tuesday, 16. January 2018

Wo finden Teens heute Orientierung?

„Was hast Du denn vor?“, fragt Anna und bestaunt den riesengroßen Rucksack, den Steffen auf dem Rücken trägt.

Steffen grinst breit über das ganze Gesicht. „Ich mache eine Wanderung in die Berge! Das wird ein richtiges Abenteuer!“

„Das klingt ja spannend!“, meint Anna beeindruckt. „Und wann soll‘s losgehen?“

„Heute schon. Ich freue mich schon total!“

Anna begutachtet ihn neidisch. „Wow, so etwas würde ich auch gerne mal machen. Aber da muss man doch bestimmt total viel vorbereiten, oder? Ich glaube, das könnte ich gar nicht.“

Steffen winkt ab. „Ach was. Ich mach‘ mir da gar keinen Stress. Ich werde einfach mal drauf loslaufen und schauen, wo ich ankomme. Schließlich will ich ja ein Abenteuer erleben.“

„Wie jetzt?“, fragt Anne skeptisch, „Du willst einfach so losgehen? Hast Du denn keinen Reiseführer oder sowas? Eine Karte vielleicht?“

„Nee, sowas brauche ich nicht. Das schränkt mich doch nur ein.“

„Ja, aber was machst Du denn, wenn Du die Gegend nicht kennst? Da gibt es doch alle möglichen Gefahren, wie Gletscher, Schluchten, Steinschlag… “

Steffen zuckt mit den Schultern. „Und wenn schon. Man muss auch mal spontan sein können. Ich hab mir sogar ein paar Reiseführer angesehen, aber die fand ich nicht gut. Was da alles an Regeln drinstand… ‚Bleiben sie auf den Wegen‘, ‚nehmen sie immer genügend Wasser mit‘, ‚tragen sie passende Kleidung‘…“ Er verdreht die Augen. „Da könnt‘ ich ja grad meine Eltern mitnehmen! Nee nee, ich mach das schon, wie ich das für richtig halte. Ich will ja schließlich selbst entscheiden, wo es lang geht. Das klappt schon irgendwie.“ Er rückt seinen Rucksack zurecht. „So, ich muss dann auch mal los, die Wildnis ruft.“

Anna schaut ihm nachdenklich hinterher. „Na, ob das gut geht?“, fragt sie sich.

 

Die Qual der Wahl

Einfach mal alles selbst entscheiden dürfen und niemanden haben, der einem etwas vorschreibt. Das klingt schön, oder? Das Leben ist ein Abenteuer und man muss es auskosten. Alles zu planen verdirbt den Spaß. Vorschriften engen bloß ein. Es ist viel besser, wenn man einfach alles so machen kann, wie man es selbst will und für richtig hält. Das ist doch echte Freiheit.

Aber mal ganz ehrlich: Wie weit wird Steffen wohl kommen mit seiner Wanderung?

Heutzutage leben wir in einer Welt, in der alles erlaubt und alles richtig ist. Es gibt nicht mehr den richtigen Weg, sondern unendlich viele Möglichkeiten. Es gibt nicht mehr die Wahrheit, sondern Du darfst dir deine eigene Wahrheit suchen. Probiere aus, schöpfe die Möglichkeiten aus, leg Dich nicht fest. 

Du darfst wählen.

Einerseits bedeutet das Freiheit –  aber auch Orientierungslosigkeit. Gibt es vielleicht auch so was wie zu viel Freiheit? Denn trotz allem fragt jeder irgendwann danach, wo er eigentlich hingehört. Zum Beispiel bei der Berufswahl: Man muss nicht mehr wie vor 50 Jahren den Beruf der Eltern übernehmen. Man kann eine Ausbildung machen, Studieren, Jobben etc. Es gibt eine unglaubliche Anzahl an verschiedenen Berufen und Ausbildungsbereichen. Aber was, wenn die Auswahl so groß ist, dass man sich nicht mehr entscheiden kann? Wählt man nämlich eine Option, dann entscheidet man sich ja gleichzeitig gegen alle anderen. Die Frage, was man denn mal werden soll, ist trotz (oder vielleicht gerade wegen) der großen Menge an Möglichkeiten so schwierig wie noch nie.

Irgendwie scheint jeder zu wissen, dass nicht jeder Weg richtig und gut für ihn ist. Wirkliches Glück scheint auch in dieser Fülle an Möglichkeiten schwer zu finden zu sein.

Ist das wirklich noch Freiheit? Wie findet man denn den Weg, der zu einem passt, wenn angeblich alles richtig ist? Wer oder was gibt Orientierung in diesem unübersichtlichen Leben?

 

Fragen: Woran orientierst Du Dich in deinem Leben? Was leitet Dich bei deinen Entscheidungen?

  • Die Wertvorstellungen/Normen deiner Eltern?
  • Freunde?
  • Die Gesellschaft?
  • Vorbilder (z.B. Sportler, Promis, Geschwister etc.)?
  • Philosophie?
  • Wissenschaft?
  • Gott?

Letztendlich trifft niemand alle Entscheidungen ganz allein und unabhängig von anderen. Wir alle haben unsere „Autoritäten“ und Wegweiser, an denen wir uns orientieren. Völlige Freiheit und Unabhängigkeit ist letztendlich eine Überforderung für uns. Wir brauchen Orientierung, um gute Entscheidungen treffen zu können und nicht in der Fülle an Möglichkeiten unterzugehen.

Wir sehnen uns nach Anleitung. Wir sehnen uns nach jemandem, der den Weg schon einmal gegangen ist und daher weiß, was hinter den einzelnen Wegbiegungen liegt. Jemanden, der vertrauenswürdig ist. Wo aber findet man so jemanden?

 

Ein festes Fundament

 

Matthäus 7,24-27 (GNB)

„Wer diese meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute.

Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten und der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, stürzte es nicht ein, weil es auf Fels gebaut war.

Wer dagegen diese meine Worte hört und sich nicht nach ihnen richtet, wird am Ende wie ein Dummkopf dastehen, der sein Haus auf Sand baute. Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten, der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, fiel es in sich zusammen und alles lag in Trümmern.“

 

In diesem Text erklärt Jesus, dass er den Weg kennt. Er weiß, was gut für unser Leben ist. Wer ihm nachfolgt und sich nach dem richtet, was er sagt, der wird sich ein gutes „Lebenshaus“ aufbauen.

Jesus weiß, wo es langgeht. Er bietet uns zukunftsorientierte Orientierung an, die eben nicht nur für den Moment, sondern auf unserem gesamten Lebensweg und gerade in schwierigen Situationen hilft.

Aber ist es wirklich so einfach? Da muss doch ein Haken sein, oder?

 

Jesus schenkt Freiheit – oder?

 

Johannes 8,31b-32 (GNB)

„Wenn Ihr bei dem bleibt, was ich Euch gesagt habe, und Euer Leben darauf gründet, seid Ihr wirklich meine Jünger.

Dann werdet Ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird Euch frei machen.“

 

 

 

In diesem Text verspricht Jesus, dass er die Wahrheit kennt, und genau in dieser Wahrheit liegt nicht nur Orientierung, sondern auch die Freiheit, nach der wir uns so sehr sehnen.

Die Bibel sagt uns hier also, dass nur Jesus Freiheit geben kann. Aber wie kann die Bibel behaupten, uns Freiheit zu geben, wenn sie uns doch in so vielem einschränkt? Was ist denn mit den ganzen Gesetzen, die uns sagen, was wir nicht dürfen?

 

Fragen: Was für Regeln gibt es in deinem Leben (in der Schule, bei den Eltern etc.)?

 Welche dieser Regeln hältst Du für sinnvoll, welche nicht?

 

Miteinander

 

1.Korinther 6,12 (Luther 1984)

„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.“

 

Wir haben heutzutage unendlich viele Möglichkeiten. Aber nicht alle sind zwingend gut für uns.

Manchmal sind Regeln und Richtlinien sinnvoll, weil sie uns ein Miteinander ermöglichen. Die eigene Freiheit kann nur so weit gehen, bis sie die Freiheit eines anderen einschränkt. Das bedeutet: Bereitschaft zu Kompromissen, den Blick auf andere. Denn wo ich auf andere achte, achten andere auch auf mich. Dadurch gewinnen alle an Freiheit.

Wir Menschen leben in einer Welt, wo wir einander brauchen und aufeinander angewiesen sind. Alles, was wir tun (und auch das, was wir nicht tun), hat in irgendeiner Weise Auswirkungen auf andere. Umgekehrt, das was andere tun, hat Auswirkungen auf uns.

Freiheit bedeutet also ebenfalls, auch anderen Freiheit zugestehen zu können. Aber was bedeutet das genau?

Beziehung

 

Galater 5,1 (GNB)

Christus hat uns befreit; er will, dass wir jetzt auch frei bleiben. Steht also fest und lasst Euch nicht wieder ins Sklavenjoch einspannen!

Wenn Ihr wirklich vor Gott als gerecht bestehen wollt, indem Ihr das Gesetz befolgt, habt Ihr Euch von Christus losgesagt und die Gnade vertan.

 

 

Was meint Paulus hier? Ganz einfach: Er will damit erklären, dass es nicht das Gesetz Gottes ist, was uns Freiheit schenkt. Gnade bedeutet, bei Gott angenommen zu sein, ganz unabhängig von Leistungen. Was uns wirklich Freiheit schenkt ist unsere Beziehung zu ihm. Schließt das aber nun Regeln aus?

 

Stell dir vor, Du würdest mit deinen Freunden eine Gesetzesliste ausarbeiten wo alles drinsteht, was in dieser Freundschaft erlaubt ist und was nicht. Was glaubst Du, würde das eure Freundschaft verbessern? Wahrscheinlich eher nicht. Letztendlich würde dieser „Gesetzestext“ ständig zwischen Euch stehen und eine wirklich tiefe Freundschaft verhindern.

Und jetzt stell dir vor, Du hättest einen Freund, der Dich ständig belügt, beklaut und vor anderen lächerlich macht. Wie lange würde eine solche Freundschaft wohl bestehen? Bestimmt nicht sehr lange.

 

Gottes Ziel ist es nicht, uns einen Gesetzestext vor die Nase zu setzen, damit wir ihn zufrieden stellen. Gott will Beziehung ermöglichen. Zwischen den Menschen und auch zwischen den Menschen und ihm selbst. Dafür gibt er uns in der Bibel eine gewisse Anleitung, wie wir uns ihm gegenüber und anderen verhalten sollten, denn wie wir bestimmt selbst oft merken, kriegen wir es alleine nicht immer so gut hin. Diese Anleitung bietet er uns durch sein Wort, die Bibel.

 

Fragen: Woran orientierst Du Dich, wenn Du anderen Menschen begegnest? Gibt es solche „ungeschriebenen Gesetze“ in deinen Freundschaften? Wie kommen sie zustande? Woran orientieren sie sich?

 

Mit der Bibel gibt uns Gott also einen Wegweiser, um in Beziehungen zu leben. Beziehungen bedeuten zwar auch Verantwortung, aber ebenso Gewinn: Ich habe Leute, mit denen ich über Probleme reden oder meine Freude teilen kann, Leute, die mich in schwierigen Situationen unterstützen, mich verteidigen oder mir einfach das Gefühl vermitteln, angenommen und wertvoll zu sein. Und: Ich habe einen Gott, der einen guten Plan für mein Leben hat. Der diesem Weg mit mir gemeinsam gehen und mir dabei helfen will, gute Entscheidungen zu treffen.

 

Jesus sagt, wer seine Worte hört und nach ihnen handelt, baut sich ein gutes Fundament für sein Leben. Vielleicht einfach mal ausprobieren…?

 

Lydia Rieß