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Tuesday, 16. January 2018

Einzigartigkeit - Ich

Synonyme und Wortbedeutung:

Einzigartigkeit kann auch in anderen Worten beschrieben und erklärt werden, so z.B. mit Begriffen wie Charakter, Charakteristikum, Eigenart, Eigenheit, Eigenschaft, Einmaligkeit, Originalität, Persönlichkeit, Spezifikum, Wesensart, Exklusivität, Individualität.
Ein weiteres Synonym für Einzigartigkeit ist der Ausdruck „Unikat“. Dies ist lateinisch (unus) und bedeutet so viel wie einer, ein einziger. Handgefertigte Kunstwerke, beispielsweise eine Maßanfertigung im Modedesign, ein maßangefertigtes Möbelstück oder ein gemaltes Bild sind zwangsläufig Unikate. Gegensätze zu Unikaten sind Duplikate oder Massenware.

Einleitung:

Im Gegensatz zu gesellschaftlichen Prozessen und Denkweisen  ist es im gemeindlichen Kontext oft nicht sehr salonfähig, den Blick auf die eigene Person und die Einzigartigkeit, Originalität eines Menschen zu richten. Die Frage, wer man ist und welchen Wert das eigene Leben hat, wird schnell als mangelnde Demut verstanden. Dabei scheint die Frage nach dem Selbstwert und die Existenzberechtigung zu einem Leben als Original eine ganz zentrale Frage der Menschen zu sein. Viele Menschen beschäftigen sich früher oder später mit diesem ureigenen Thema. Die Meinung über sich selbst und nachfolgend die Zuschreibung eines Wertes beschäftigt Menschen aller Kulturen.

Während in unserer Gesellschaft die eigene Person und das eigene Befinden in den Mittelpunkt gerückt wird, gerät die Gemeinschaft und damit „der Andere, der Nächste“ aus dem Blick.  Dies hat wiederum zur Folge, dass der Einzelne sich mehr und mehr um sich selbst dreht und sich zunehmend in immer anonymeren und komplizierteren Beziehungen befindet. Für Menschen mit einem unsicheren,  in Frage gestellten Selbstwert wird die Existenz in dieser Gesellschaft immer schwerer:

„Angesichts des geschwundenen kulturellen Konsenses, angesichts fehlender Rollenmodelle, die es wert sind, dass man ihnen nacheifert, angesichts der Tatsache, dass es in der öffentlichen Arena so weniges gibt, das uns beflügelt, uns dafür zu engagieren, und angesichts der so verwirrenden rapiden Veränderungen, die bezeichnend für unser heutiges Leben sind, ist es gefährlich, wenn wir nicht wissen, wer wir sind oder uns nicht selbst vertrauen.“ (Psychotherapeut Nathaniel Branden, zit. nach „Psychologie Heute“ 04/2005, S. 20)

Beziehungsweise – weise Beziehungen

 

„Liebe Gott, den Herrn, von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand! Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber das zweite: Liebe deinen Mitmenschen, so wie du dich selber liebst! Alle anderen Gebote und alle Forderungen der Propheten sind in diesen Geboten enthalten.“                

 (Matthäus 22, 37 – 40 / Hoffnung für Alle)

Nicht jeder, der Christ wird, hat automatisch ein positives Selbstbild, insbesondere nicht Teens und Jugendliche, die  aufgrund ihrer Entwicklungsschritte noch damit befasst sind, eine eigene Identität herauszubilden. 

Auf die Frage, wie Menschen nach dem Willen Gottes leben sollen, erklärt Jesus  - wie ich inzwischen finde  - etwas ungemein weises: Er spricht von unseren Beziehungen, in denen wir Menschen leben – die Beziehung zu Gott, die Beziehung zu anderen Menschen und die Beziehung zu uns selbst.

Damit erwähnt Jesus zentral unser Wesen als einzigartiges Original, ein Unikat des Schöpfers Himmels und der Erden. Jesus ist es wichtig, das jedes Unikat, jeder einzigartige und damit kostbare Mensch sich seiner Kostbarkeit und Einzigartigkeit, sich seines Selbstwertes bewusst ist („so wie du dich selber liebst“). Damit ist keine Eigenverliebtheit, überzogene Selbstliebe oder Egoismus gemeint. Jesus spricht damit einen bewussten und verantwortlichen Umgang mit der eigenen Person an, ein Wissen darum, wie kostbar und einzigartig ein Wesen für den Schöpfer und damit auch für das Individuum selbst ist.

Doch wie kann sich ein Mensch sicher sein, dass er wertvoll ist? Die Begründung von Wert und Würde des Menschen hat Gott ganz an den Anfang seines Wortes gesetzt:  „So schuf Gott den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau schuf er sie.“ (Genesis 1,27 Hoffnung für Alle).

Durch Gott, den Schöpfer erhalten einzigartige Menschen Würde und Wert. Gott verlieh den Menschen die Würde als sein Ebenbild, als ein Gegenüber. Dabei geht es um Beziehung. Gott wünscht sich die Beziehung zu seinen Unikaten, den einzigartigen Originalen. Dazu gehört Gespräch und Austausch, Meinungsfindung, liebevoller Umgang ... Gott wünscht sich Beziehung!

Darüber hinaus weist er die Menschen darauf hin, einander als Unikate, kostbare Einzelschöpfungen zu sehen und zu akzeptieren, zu unterstützen („liebe deinen Mitmenschen“).

Jetzt stoßen wir auf ein großes Problem: viele Menschen mögen sich selbst nicht leiden. Und wer mit sich selbst nicht gut auskommt, der kommt auch mit den Mitmenschen nicht gut aus. Wer sich selbst ablehnt, hat meistens den Eindruck, auch von anderen abgelehnt zu werden.

Beziehungen sind für unser Leben sehr wichtig. Ob jemand in seinem Leben und in seinen Beziehungen erfolgreich ist, hängt dabei maßgeblich davon ab, wie er zu sich selbst steht.

Das innere Bild, was wir von uns selbst haben, wird in unserem Selbstbild und dem Selbstwert, den wir uns zugestehen, deutlich.

Zu unserem großen Glück  gehörte es nie zu Gottes Plan, das es uns schlecht geht, wenn wir uns selbst betrachten. Unser Vater im Himmel möchte, dass wir uns selbst kennen und uns trotzdem genauso annehmen, wie er uns annimmt.

Du bist einzigartig – unverwechselbar.

„Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich!“

Psalm 139, 14 – Hoffnung für Alle

Über den eigenen Fingerabdruck oder die Bestimmung der körpereigenen DNA ist es wissenschaftlich ja schon länger beweisbar: kein Mensch gleicht einem anderen. Schon König David hat dies in Psalm 139, 14 ausgedrückt: ICH bin einzigartig. (Nur konnte er das damals noch nicht beweisen – aber er wusste es auch so!). Er formulierte es in Psalm 8 so: „ Wie klein ist doch der Mensch, und doch beachtest du ihn! Winzig ist er, und doch kümmerst du dich um ihn! Du hast ihn zur Krone der Schöpfung erhoben und ihn mit hoher Würde bekleidet. Nur du stehst über ihm!“

Diese Einzigartigkeit und Besondere bezieht sich nicht nur auf unseren Körper. Nicht nur unsere chemische Zusammensetzung und unser äußeres Erscheinungsbild  sind einzigartig. Auch unsere Seele, unser Inneres ist einzigartig, unverwechselbar. Dazu gehören Gedanken, Gefühle, Charaktereigenschaften, …

Wir Menschen haben die Möglichkeit, uns zu verstellen, sodass unser wirkliches ICH, unser Wesen nicht gleich von anderen erkannt wird. Damit schützen wir uns u.a. vor befürchteten Angriffen, Schädigungen.

Unser Inneres, unser eigentliches ICH gehört uns selbst und in der Beziehung zu Gott eben auch IHM. Er kennt uns sicher noch besser, als wir uns selbst.

Ideen für die Umsetzung:

1. Keine Birne (Andacht)

Ein Korb mit Äpfeln steht in der Mitte (ruhig unterschiedliche Äpfel nehmen: Farbe, knackige und auch runzelige Äpfel, mit faulen Stellen, …).

➢    Wie „fühlt“ sich so ein Apfel?

  • Es ist gut, mit andern zusammen zu sein.
  • Ich bin nicht alleine.
  • Wir haben die gleiche Aufgabe.
  • Ich bin froh, keine Birne zu sein. Sonst fühlte ich mich wie ein Außenseiter.

➢    Wo wollt ihr gleich sein wie andere?
Auf der anderen Seite sehe ich aus wie alle.

  • Bin ich etwas Besonderes?
  • Ist es egal, ob ich oder ein anderer herausgenommen wird?

➢    Wo wollt ihr anders sein, wie andere?
Jeder nimmt sich einen Apfel heraus und betrachtet und befühlt ihn von allen Seiten. Dann werden die Äpfel wieder zurückgelegt.

➢    Unterschiede  feststellen: Macke, Flecken, Farbe, Form, rau, glatt usw.
Für Jesus sind wir wie solche einzigartigen Äpfel:

Keiner gleicht genau dem andern. Er kennt unsere Unterschiede. Er sieht uns einzigartig. Egal ob mit Macke oder ohne. Egal ob ansprechend in Form und Farbe, im Aussehen oder weniger: Er kennt mich und liebt mich und will mich in seine Hände nehmen.

➢    Psalm 139, 1-6, 13 - 16 lesen
Jeder sucht sich „seinen“ Apfel wieder aus dem Korb und darf ihn mitnehmen.

Quelle: www.praxis-jugendarbeit.de

2. „Einzigartig – handmade by GOD“ - Vorschläge für die Themengestaltung:

I. Steckbrief ausfüllen lassen (ohne Namen versehen).

Die Zettel werden gesammelt und dann vorgelesen. Die Gruppe rät, wer gemeint ist.

 II. Für dieses Element sollten sich die Teilnehmer paarweise zusammen tun –
bearbeiten folgende Fragestellungen und tauschen  sich darüber aus:

  • Schreibe drei positive Eigenschaften Deines Partners / Partnerin auf. Welche positiven Eigenschaften würde er / sie  von Dir aufschreiben?
  • Was ist typisch einzigartig für Deinen Partner? (Positives Denken erlaubt!)
  • Wo sehen wir eher positive Eigenschaften? Bei uns selbst oder beim anderen?
  • Welche Einmaligkeiten mag ich bei mir selbst nicht?

 

III. Austausch – je nach Gruppe in der Großgruppe oder in Kleingruppen:

Fühlst Du Dich oft nicht als einzigartiges Unikat,
sondern besonders …

 … abgelehnt?
… angegriffen?
… ungeliebt?
… einsam?
… nicht respektiert?
… ungerecht behandelt?
… vom Pech verfolgt?
… unsicher und gehemmt?

Woher kommen solche Minderwertigkeitsgefühle? (Austausch in der Gruppe)

  • falsche Sicht von sich selbst
  • Lüge des Leistungsdrucks
    (nur wer etwas leistet, ist auch was wert – Achtung: oft auch fromme Lüge)
  • verzerrtes Selbstbild durch Überbewertung von Schwachpunkten
  • sich häufig mit anderen vergleichen
  • Isolation und Beziehungsstopp …
  • von sich selbst Perfektion fordern – keine Schwachstelle akzeptieren 

Wege aus dem Gefängnis:

  • sich die eigenen Stärken bewusst machen – Liste anlegen!
  • Einen Vorrat an Komplimenten anlegen – nach Kompliment–Ideen von anderen fragen
  • Tagebuch führen – sich der eigenen Gefühle und Gedanken bewusst werden
  • Selbstfürsorge lernen – sich bewusst einmal am Tag etwas Gutes tun!
  • Lerne, mit dir selbst wie mit einem guten Freund umzugehen: Welche Erwartungen hast Du an einen Freund?
  • Nicht über Leistung definieren (unterstützt die Leistungslüge)
  • Blick zum Horizont – welches Bild hat Gott von Dir?

 

IV. Karte auf besonderem Papier mit folgendem Text gestalten und an jeden Teilnehmer austeilen: 

 

Diese Karte kann am Ende einer Andacht oder eines Themenabends zum Thema „Einzigartigkeit – Handmade by God“ eingesetzt werden. Jeder kann seinen eigenen Fingerabdruck auf die Karte setzen.

3. Talente – Abend

Dieses besondere Event wird lange im Voraus angekündigt und geplant. Jeder Teilnehmer der Gruppe wird motiviert, seine besonderen Begabungen einzubringen, ganz nach dem Motto: „Was kannst Du eigentlich – zeig's uns!!!“ (http://www.youtube.com/results?search_query=talenteabend+uturn&sm=3)

  • Kreativität kennt keine Grenzen (Schauspiel – Musik – Tanz – Komik – … eigentlich  kann jeder etwas besonders gut!)
  • Zum Highlight wird dieser Abend, wenn Gäste eingeladen werden, z.B. die Gemeinde, Freunde, Nachbarschaft. Dafür rechtzeitig  Flyer o.ä. erstellen.
  • Wie soll die Aufmachung des Talente – Abends sein: Bühnendeko, Raumgestaltung, Kulinarisches, …
  • Jeder aus der Gruppe kann sich einbringen – auch diejenigen, die sich nicht trauen, eine Begabung zu präsentieren oder so gar keine Idee haben, können zum Gelingen des Abends beitragen (Technik, etwas Leckeres zu Essen mitbringen, Deko, …) - jeder wird gebraucht!!!
  • evtl. zum Thema „Einzigartigkeit – jeder ist ein Unikat“ eine Andacht am Schluss des Abends einbringen oder am nächsten Teen-/ Jugendabend als Thema gestalten.

 

Verwendete Quellen:
www.mehr-glauben.de
www.praxis-jugendarbeit.de

Handbuch für Teenagerarbeit, Brunnenverlag, S. 194 ff.

 

Birgit Hahn