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Tuesday, 16. January 2018

Josef – ein Leben mit einer Vision

Was ist eigentlich eine Vision?
In einem Unternehmen (das kann eine Firma sein, eine politische Partei, eine gemeinnützige Organisation oder auch eine Gemeinde) formuliert man eine Vision, um zu wissen, wo es hingehen soll. Man setzt sich also ein Ziel – z.B. bis zum Ende des Jahres eine bestimmte Summe Geld erwirtschaftet zu haben oder bis zum Ende des Monats einen funktionierenden Chor auf die  Beine gestellt zu haben – und richtet all sein Tun und Planen danach aus, dieses Ziel zu erreichen. Eine Vision hilft einem dabei, seine Bemühungen zu koordinieren, Strategien zu entwickeln und motiviert zu bleiben.

Visionen gibt es aber nicht nur in Unternehmen. Man kann sich auch für das eigene Leben Visionen entwerfen, also Ideen, wo man eigentlich hinwill im Leben.

Fragen: Was für Visionen hast Du für Dein Leben? Was für Träume oder Lebensziele?
Hast Du schon Ideen, wie Du sie verwirklichen willst oder bist Du noch auf der Suche nach guten Strategien?

Auch in der Bibel gibt es Menschen mit Vision. Einer dieser Personen ist Josef.

1.Mose 37,2-8 (Gute Nachricht Bibel)

2 Dies ist die Familiengeschichte Jakobs: Jakobs Sohn Josef war noch ein junger Bursche von siebzehn Jahren. Er half seinen Brüdern, den Söhnen von Bilha und Silpa, beim Hüten der Schafe und Ziegen. Er hinterbrachte seinem Vater immer, was die Leute sich von dem Treiben seiner Brüder erzählten. 

3 Jakob hatte Josef von allen seinen Söhnen am liebsten, weil er ihm erst im Alter geboren worden war. Deshalb ließ er ihm ein prächtiges Gewand machen. 

4 Als seine Brüder sahen, dass der Vater ihn mehr liebte als sie alle, begannen sie ihn zu hassen und konnten kein freundliches Wort mehr mit ihm reden. 

5 Einmal hatte Josef einen Traum. Als er ihn seinen Brüdern erzählte, wurde ihr Hass noch größer. 

6 »Ich will euch sagen, was ich geträumt habe«, fing Josef an. 

7 »Wir waren miteinander auf dem Feld, schnitten Getreide und banden es in Garben. Auf einmal stellt sich meine Garbe auf und bleibt stehen. Und eure Garben, die stellen sich im Kreis um sie herum und verneigen sich vor meiner.« 

8 Seine Brüder sagten zu ihm: »Du willst wohl noch König werden und über uns herrschen?« Wegen seiner Träume und weil er sie so offen erzählte, hassten ihn seine Brüder noch mehr. 

Josef hat eine Vision. Die Vision, mal etwas Großes zu werden. Und wenn man solche Visionen hat, dann ist es schwierig, bescheiden zu bleiben. Auf den Punkt gebracht: Josef ist ein Angeber. Er ist fest von sich und seiner Vision überzeugt. Auch sein Vater gibt ihm das Gefühl, etwas Besseres als seine Brüder zu sein, und diese besondere Stellung nutzt er natürlich aus. Er verpetzt seine Brüder, wenn sie irgendwas anstellen und lässt sie spüren, dass er der Lieblingssohn ist.

Das gefällt den Brüdern natürlich so gar nicht. Sie wollen ihn loswerden. Die Gelegenheit dazu ergibt sich, als Jakob Josef mal wieder losschickt, um nach seinen Brüdern zu sehen.

1.Mose 37, 18-27 (Gute Nachricht Bibel)

18 Die Brüder sahen Josef schon von weitem. Noch bevor er herangekommen war, stand ihr Entschluss fest, ihn umzubringen. 

19 Sie sagten zueinander: »Da kommt der Kerl, dem seine Träume zu Kopf gestiegen sind! 

20 Schlagen wir ihn doch tot und werfen ihn in die nächste Zisterne! Wir sagen einfach: Ein Raubtier hat ihn gefressen. Dann wird man schon sehen, was aus seinen Träumen wird!« 

21 Als Ruben das hörte, wollte er Josef retten. »Lasst ihn am Leben!«, sagte er. 

22 »Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne da drüben in der Steppe, aber vergreift euch nicht an ihm!« Er hatte die Absicht, Josef heimlich herauszuziehen und zu seinem Vater zurückzubringen. 

23 Als Josef bei ihnen ankam, zogen sie ihm sein Obergewand aus, das Prachtgewand, das er anhatte. 

24 Dann packten sie ihn und warfen ihn in die Zisterne. Die Zisterne war leer; es war kein Wasser darin. 

25 Dann setzten sie sich zum Essen. Auf einmal sahen sie eine Karawane von ismaëlitischen Kaufleuten aus der Richtung von Gilead herankommen. Die Ismaëliter waren auf dem Weg nach Ägypten; ihre Kamele waren mit den kostbaren Harzen Tragakant, Mastix und Ladanum beladen. 

26 Da sagte Juda zu seinen Brüdern: »Was nützt es uns, wenn wir unseren Bruder umbringen? Wir werden nur schwere Blutschuld auf uns laden. 

27 Lassen wir ihn leben und verkaufen ihn den Ismaëlitern; er ist doch unser Bruder, unser eigen Fleisch und Blut!« Die anderen waren einverstanden.

Josef wird als Sklave nach Ägypten verkauft. So schnell ist sein Traum vorbei. Kein großer Herrscher, vor dem sich alle verbeugen, sondern ein einfacher Sklave. Seine Vision ist erst einmal gescheitert. Die gerechte Strafe für seinen Hochmut – oder?

Fragen: Hattest Du schon mal große Träume, die geplatzt sind? Wie bist Du mit der Enttäuschung umgegangen?

Josef kommt in das Haus eines Mannes namens Potifar und wird sein Sklave. Statt aber in Selbstmitleid oder Zorn auf seine Brüder zu versinken, beschließt er, Gott zu vertrauen und sein Bestes zu geben. Er bezieht Gott mit ein in seine Vision. Gott segnet dieses Vertrauen und lässt ihm alles gelingen, was er tut. Potifar bemerkt das und gibt Josef daraufhin immer mehr Verantwortung und Freiheit. Josef bekommt eine sehr hohe Stellung. Er wird zu weitaus mehr als einem Sklaven. Er ist der wichtigste Mitarbeiter in der Firma seines Chefs. Seine Vision, etwas Großes zu werden, rückt erneut in greifbare Nähe.

Aber dann kommt alles doch ganz anders.

1.Mose 39,1-15 (Gute Nachricht Bibel)

7 So kam es, dass Potifars Frau ein Auge auf ihn warf. Eines Tages forderte sie ihn auf: »Komm mit mir ins Bett!« 

8 Josef wies sie ab: »Mein Herr hat mir seinen ganzen Besitz anvertraut und kümmert sich selbst um nichts mehr in seinem Haus. 

9 Er gilt hier nicht mehr als ich. Nichts hat er mir vorenthalten außer Dich, seine Frau! Wie könnte ich da ein so großes Unrecht begehen und mich gegen Gott versündigen?« 

10 Tag für Tag redete sie auf Josef ein, aber er gab ihr nicht nach. 

11 Einmal hatte Josef im Haus zu tun; niemand von der Dienerschaft war gerade in der Nähe. 

12 Da hielt sie ihn an seinem Gewand fest und sagte: »Komm jetzt mit ins Bett!« Er riss sich los und lief hinaus; das Gewand blieb in ihrer Hand zurück. 

13 Als sie merkte, dass Josef fort war und sie sein Gewand in der Hand hielt, 

14 rief sie die Dienerschaft herbei und sagte: »Seht euch das an! Mein Mann hat uns diesen Hebräer ins Haus gebracht, der nun seinen Mutwillen mit uns treibt. Er drang bei mir ein und wollte mit mir ins Bett. Da habe ich laut geschrien. 

15 Und als er mich schreien hörte, ließ er sein Gewand neben mir liegen und rannte davon.«

Potifars Frau will eine Affäre mit Josef beginnen. Aber Josef bleibt seinem Herrn treu. Josef macht alles richtig, sowohl vor den Menschen als auch vor Gott. Man sollte meinen, dass diese Treue belohnt wird. Stattdessen bringt es Potifars Frau dazu, Lügengeschichten über ihn zu erfinden. Als Potifar davon erfährt, glaubt er seiner Frau und wird wütend auf Josef. Josef kommt ins Gefängnis. Er ist wieder ganz unten. Sein Traum ist erneut geplatzt, seine Vision erneut gescheitert.

Fragen: Bist Du schon mal gescheitert, obwohl Du das Gefühl hattest, alles richtig gemacht zu haben?
Wie gehst Du mit solchen Situationen um? Bringen sie Dich dazu, an Deiner Vision zu zweifeln? Bringen sie Dich dazu, an Gott zu zweifeln?

1.Mose 39,21-23 (Gute Nachricht Bibel)

21 Aber der Herr in seiner Treue stand ihm bei. Er verschaffte ihm die Gunst des Gefängnisverwalters. 

22 Der Verwalter übertrug Josef die Aufsicht über alle anderen Gefangenen, und alle Arbeiten im Gefängnis geschahen unter Josefs Leitung. 

23 Der Verwalter vertraute ihm völlig und gab ihm freie Hand; denn er sah, dass der Herr ihm beistand und alles gelingen ließ, was er tat.

Auch im Gefängnis beschließt Josef, nicht aufzugeben. Wieder schafft er es, sich hochzuarbeiten. Er lässt sich nicht von den Umständen bestimmen und macht das Beste aus seiner Situation.

Fragen: Wenn die Dinge nicht so laufen, wie Du es gerne hättest, bist Du dann bereit, weiter auf Gott zu vertrauen?
Bist Du bereit, Dich in genau der Situation einzusetzen, in der Du gerade bist, anstatt erst darauf zu warten, dass die Umstände sich verändern?

Schließlich hat der Pharao, der oberste Herrscher von ganz Ägypten, seltsame Träume. Er ist sicher, dass diese Träume eine tiefere Bedeutung haben und wünscht sich, dass sie gedeutet werden. Aber niemand von seinen Beamten und Mitarbeitern ist dazu in der Lage. Aber ein Mitarbeiter, der gemeinsam mit Josef eine Weile im Gefängnis gesessen hat, erinnert sich nun an ihn. Josef hat ihm im Gefängnis mit Gottes Hilfe einen Traum gedeutet, der sich bewahrheitet hat. Er arrangiert ein Treffen zwischen dem Pharao und Josef. Und tatsächlich, Josef kann die Träume auslegen. Gott offenbart ihm ihre Bedeutung: Ägypten und die umliegenden Länder werden sieben Jahre der reichen Ernten und des Überflusses erleben und danach sieben Jahre der Hungersnot. Mit dieser Voraussage bringt er Ägypten in die Lage, sich auf die Hungersnot vorzubereiten. Er rettet das ganze Land.

Aber er brüstet sich nicht damit. Stattdessen erklärt er dem Pharao ganz deutlich, dass er das ohne Gottes Hilfe gar nicht könnte. Der Pharao ist beeindruckt von diesem Mann. Er gibt ihm die Verantwortung darüber, das Land auf die Hungersnot vorzubereiten. Josef wird zum zweitmächtigsten Mann in ganz Ägypten. Endlich ist er bei seiner Vision angelangt. 

Erinnert Ihr euch an den Anfang? Josef war ein arroganter Angeber. Die Vision, die er hatte, ist am Ende wahr geworden. Aber der Weg dahin war bestimmt ganz anders, als Josef sich das überlegt hatte. Gott hat diesen Weg gebraucht, um Josef zu einem Mann zu machen, der dieser Vision überhaupt erst gewachsen war. Er hat ihn ganz unten anfangen und geduldig lernen lassen, was es überhaupt heißt, groß zu werden.

Fragen: Bist Du bereit, Dich auf Gottes Wege einzulassen oder beharrst Du lieber auf Deinen eigenen?
Erwartest Du immer direkte Ergebnisse oder bist Du bereit, Deiner Vision Schritt für Schritt entgegenzugehen?

Dass Josef sich verändert hat, zeigt sich auch in seiner Begegnung mit seinen Brüdern nach all den Jahren. Sie haben ihn damals als Sklave verkauft. Jetzt kommen sie nach Ägypten, um wegen der Hungersnot Getreide zu kaufen. Sie sind von Josef abhängig. Aber sie wissen nicht einmal, dass es Josef ist, vor dem sie da stehen.

Josef ist nun ein mächtiger Mann und hat die Möglichkeit, sich an ihnen zu rächen. Stattdessen reagiert er als der Mann, der er nun geworden ist.

1.Mose 45,1-8 (Gute Nachricht Bibel)

1 Da konnte Josef nicht länger an sich halten. Er schickte alle Ägypter aus dem Raum. Kein Fremder sollte dabei sein, wenn er sich seinen Brüdern zu erkennen gab. 

2 Als er mit ihnen allein war, brach er in Tränen aus. Er weinte so laut, dass die Ägypter es hörten, und bald wusste der ganze Hof des Pharaos davon. 

3 »Ich bin Josef!«, sagte er zu seinen Brüdern. »Lebt mein Vater noch?« Aber sie brachten kein Wort heraus, so fassungslos waren sie. 

4 Er rief sie näher zu sich und wiederholte: »Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt! 

5 Erschreckt nicht und macht euch keine Vorwürfe deswegen. Gott hat mich vor euch her nach Ägypten gesandt, um viele Menschen am Leben zu erhalten. 

6 Zwei Jahre herrscht nun schon Hungersnot, und es kommen noch fünf Jahre, in denen man die Felder nicht bestellen und keine Ernte einbringen kann. 

7 Deshalb hat Gott mich vorausgeschickt. Es ist sein Plan, euch und eure Nachkommen überleben zu lassen, damit er eine noch größere Rettungstat an euch vollbringen kann. 

8 Nicht ihr habt mich hierher gebracht, sondern Gott. Er hat es so gefügt, dass ich die rechte Hand des Pharaos geworden bin und sein ganzer Hof und ganz Ägypten mir unterstellt ist. 

Josef weiß, dass er ohne Gott nicht ans Ziel gelangt wäre. Im Nachhinein kann er all das Schlechte, was ihm widerfahren ist – z.B., dass seine eigenen Brüder ihn als Sklaven verkauft haben – in einem anderen Licht sehen. Ja, es war falsch, was seine Brüder gemacht haben. Aber weil er Gott vertraut hat, hat dieser, daraus, etwas Gutes entstehen lassen. Es war bestimmt nicht schön, wegen einer Lüge im Gefängnis zu sitzen. Aber weil er bereit war, sich auch dort einzusetzen und die Umstände zu nehmen wie sie waren, konnte Gott diese Situation gebrauchen, um ihn letztendlich an den Hof des Pharaos zu bringen.

Zusammenfassung:

1. Gott nimmt unsere Visionen ernst

2. Eine Vision zu haben bedeutet auch, ab und an auf dem Weg dahin zu scheitern

3. Gott geht mit. Er kann mit unserem Scheitern umgehen und hilft uns auf

4. Gott hat größere Möglichkeiten als wir und denkt auch oft größer – wir dürfen ihm unsere Vision anvertrauen

5. Manchmal geht Gott ganz andere Wege zur Erreichung der Vision als wir gegangen wären – Gott zu folgen erfordert Vertrauen, aber es lohnt sich