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Wednesday, 17. January 2018

Gottes Auftrag an seine Gemeinde

Dass es Gemeinde gibt ist kein Zufall. Wenn Jesus zu Petrus sagt, dass er auf ihn seine Gemeinde bauen will (vgl. Mt. 16,18), dann zeigt uns das, dass Gott Gemeinde gewollt hat. Dass sie keine menschliche Erfindung ist, sondern dass Jesus sie bewusst ins Leben gerufen hat. Das bedeutet auch, dass Gemeinde einen Sinn und ein Ziel hat. Dass Gott einen Auftrag für seine Gemeinde hat. Darum soll es hier gehen. Doch bevor wir zum Auftrag von Gemeinde kommen müssen wir uns zuerst kurz mit der Frage befassen, was Gemeinde eigentlich ist.

Gemeinde – Jesus in der Welt sichtbar machen

Bei Paulus begegnet uns an unterschiedlichen Stellen das Bild von der Gemeinde als dem Körper von Jesus (am ausführlichsten in 1. Kor. 12).

Das bedeutet, dass Gemeinde nichts Starres ist. Gemeinde ist auch kein Gebäude. Sie ist ebenfalls kein System aus Regeln und Vorschriften. Sondern sie ist etwas lebendiges und organisches. Sie wächst, sie entwickelt und sie bewegt sich.

Wenn Gemeinde der Körper Jesu ist, dann bedeutet dass, das Jesus sich durch die Gemeinde in der Welt bewegt. Er handelt durch sie. Er nutzt ihre Füße um sie an den Ort zu tragen an dem er sie haben möchte. Er nutzt ihre Hände um durch sie in dieser Welt zu handeln. Jesus will dieser Welt durch seine Gemeinde begegnen.

Denn er ist der Kopf der Gemeinde. Er leitet sie und bestimmt ihren Weg. Ihm soll die Gemeinde immer ähnlicher werden (vgl. Eph 4,15). Damit die Menschen in ihr und an ihr Gottes Wirken erkennen. So, wie die Menschen Gott in Jesus erkannt haben (vgl. Joh 1,14ff.)

Das heißt im Grunde nichts anderes, als dass Gemeinde Gottes Botschafterin in dieser Welt ist.

Gemeinde als Gottes Botschafterin

Ein Botschafter ist jemand, der sein Heimatland in einem anderen Staat vertritt. Er ist eine Art Verbindungsglied zwischen zwei Staaten. Und so ist Gemeinde Gottes Verbindungsglied in diese Welt. Sie vertritt Gott selbst. Und bei diesem Gedanken bekomme ich eine Gänsehaut. Wie unfassbar groß ist die Ehre, die Gott uns dadurch zuteil werden lässt. Und wie riesig ist die Verantwortung, die sich daraus ergibt. Gott traut der Gemeinde zu ihn widerzuspiegeln. Aber wir müssen das nicht von uns aus schaffen. Denn zum einen hat Gott uns Jesus als Vorbild gegeben. Als Vorbild dafür, wie ein Leben aussieht, das Gott vollkommen widerspiegelt. Zum anderen ist eben dieser Jesus ja der Kopf der Gemeinde. Er will der Gemeinde zeigen, wo es langgeht. Er will Gemeinde immer mehr dahin verändern, dass sie eine gute Botschafterin für Gott ist.

Denn aussuchen, ob sie Botschafterin Gottes sein will kann die Gemeinde nicht. Wenn Jesus seinen Nachfolgern in Mt. 5,13-17 sagt, dass sie Salz und Licht für die Welt sind, dann macht er damit eine Aussage über einen Ist-Zustand. Jesus sagt nicht: Ihr solltet Salz und Licht sein. Nein, er sagt schlicht: „Ihr seid Salz und Licht.“ Wir haben als Gemeinde da also nicht die Wahl. Die Frage ist nur ob wir gutes Salz und helles Licht sind.

Salz für die Welt zu sein bedeutet diese Welt zu bewahren. Salz wurde zur damaligen Zeit als Konservierungsmittel eingesetzt. Kühlschränke waren ja noch nicht. Und so, wie das Salz dafür gesorgt hat, dass Nahrungsmittel nicht verderben hat Gemeinde dafür zu sorgen, dass die Welt nicht „verdirbt“. Das heißt, dass Gemeinde auch dazu da ist diese Welt zu einem besseren Ort zu machen und darauf bedacht sein sollte, dass nicht alles den Bach runter geht. Aber das wäre ein ganz eigenes Thema. Fakt ist aber, dass es das Wesen von Gemeinde ist diese Welt zu bewahren. Denn wir sind ja Salz.

Und genau so, wie wir als Gemeinde Salz sind, so sind wir auch Licht. Das Licht der Welt. Und spätestens hier wird die enge Verknüpfung vom Leben Jesu und dem Auftrag der Gemeinde deutlich. Denn das ist etwas, das Jesus auch über sich selbst gesagt hat. Jesus ist das Licht der Welt (Joh 8,12). Und Gemeinde ist das Licht der Welt. So wie Jesus mit seinem Leben, seinem Handeln und seinen Worten den Menschen Orientierung gegeben hat – genau so soll Gemeinde das auch tun. Das Reden und Handeln von Gemeinde soll die Menschen in der Dunkelheit auf das Licht hinweisen – Jesus. Sie soll zum Orientierungspunkt für Menschen werden, die sich in der Dunkelheit verirrt haben. Wie eine Stadt auf einem Hügel nachts nicht zu übersehen ist, so soll auch Gemeinde in dieser Welt nicht zu übersehen sein. Ein Licht, dass die Menschen so fasziniert, dass sie gar nicht anders können als Gott die Ehre zu geben.

Jetzt weiß Jesus auch, dass das kein Selbstläufer ist. Dass wir durchaus in der Gefahr stehen schlechtes Salz und verborgenes Licht zu sein. Wenn Gemeinde das allerdings ist, dann lebt sie an ihrem Auftrag vorbei. Gemeinde soll Gottes große Taten verkünden (1. Petr. 2,9). Sie soll in die Welt gehen, Menschen das Evangelium verkünden und Menschen in eine immer tiefere Christusbeziehung führen (Mt. 28,18ff.). Sie soll sich nicht in einem schönen Gemeindehaus einigeln und eine Plattform schaffen damit die Menschen in ihr sich bespaßen lassen, schön abgeschieden von der unfassbar bösen Welt.

Salz und Licht sein bedeutet rauszugehen. Bedeutet diese Welt als Gottes geliebte Welt zu sehen und sich deshalb für sie einzusetzen. Es bedeutet das Evangelium zu den Menschen zu bringen. Ihnen den Weg zu leuchten. Den Weg zum Vater im Himmel, der sie unendlich liebt (Vgl. Joh 3,16).

Überhaupt ist diese Liebe Gottes Grundlage und Motor dafür, dass Gemeinde ihren Auftrag als Botschafterin Gottes überhaupt ausführen kann. Sie ist der Schlüssel für den Auftrag der Gemeinde Menschen  auf Gott hinzuweisen.

Liebe ist der Schlüssel

Jesus sagt in Joh 13,35, dass Liebe das Erkennungszeichen der Gemeinde sein soll. Liebe ist quasi die Uniform die eine Gemeinde trägt. An ihr sollen die Menschen erkennen, dass die Gemeinde keine menschliche Organisation ist, sondern eben der Körper Jesu, der die Menschen auf Gott hinweist.

Paulus geht sogar soweit zu sagen, dass wir als Gemeinde den Menschen dieser Welt Liebe schuldig sind und dass sich in ihr erfüllt, was Gott von uns möchte (vgl. Rö 13,8-10). Und auch Jesus sagte, dass in der Liebe zu Gott und der Liebe zum Mitmenschen der komplette Wille Gottes zusammengefasst ist (vgl. Mk 12,28-31).

Wenn die Bibel von Liebe spricht, dann geht es ihr nicht um ein Gefühl oder irgendetwas Abstraktes. Sondern es geht immer um eine Entscheidung. Gottes Liebe zu uns Menschen zeigt sich in seiner Entscheidung uns bedingungslos anzunehmen und uns Versöhnung mit ihm anzubieten. Liebe zu Gott wiederum ist die Entscheidung ihm mein ganzes Leben zu geben weil ich darauf vertraue, dass er es gut mit mir meint. Liebe zum Mitmenschen bedeutet ihn mit Gottes Augen zu sehen. Ihn anzunehmen als von Gott geliebten auch, wenn ich ihn eigentlich nicht leiden kann.

Und diese Liebe wird tätig. So, wie Gottes Liebe tätig geworden ist. Das führt dann wieder zurück zu Jesus. Denn in seinem Leben können wir sehen, wie sich diese Liebe Gottes im konkreten Lebensvollzug auswirkt. Was es heißt Gott wirklich zu lieben. Und was es heißt seine Mitmenschen mit Gottes Augen zu sehen und ihnen in Gottes Liebe zu begegnen. Auch da kann ich hier leider nicht tiefer einsteigen, denn mit dem Thema könnte man wohl ganze Bücher füllen. Wobei, eigentlich haben wir schon ein ganzes Buch, das mit dem Thema der Liebe Gottes gefüllt ist. Und damit, wie sie konkret Gestalt gewinnt...

Und diese Liebe Gottes sollen wir als Gemeinde weitergeben. So, wie Jesus ihr Gestalt gegeben hat. Damit diese Welt nicht den Bach runter geht. Und damit Menschen Gott kennenlernen. Seine Liebe erfahren und immer mehr in seiner Liebe wachsen.

Ein großartiger Auftrag, den Gott der Gemeinde gegeben hat. Ich könnte mir keinen schöneren vorstellen. Und keinen herausfordernderen. Aber wir sind dabei nicht alleine. Jesus will als Kopf  seine Gemeinde leiten. Das heißt er ist mit dabei. Rund um die Uhr, jeden Tag, bis an das Ende der Welt. Und er will der Gemeinde zeigen, wo es lang geht.

Wenn wir uns als Gemeinde wirklich von ihm leiten und verändern lassen, dann werden wir immer mehr gutes Salz und helles Licht werden. Eine immer bessere Botschafterin für Gott zu werden.

Gestaltungsideen für einen Themenabend:

Einstieg in das Thema:

Greift die Frage auf, was nach Ansicht der TeilnehmerInnen Gottes Auftrag für seine Gemeinde ist. Je nach Altersgruppe kann das entweder in einem Brainstorming mit anschließender Diskussion im Plenum passieren oder indem kleine Gruppen eine Collage darüber erstellen (dafür muss entsprechendes Material vorhanden sein).

 Spielt das Lied „If we are the body“ von Casting Crowns. Druckt den Text aus oder werft ihn an die Wand, am besten mit einer deutschen Übersetzung.

Gemeinde als Körper Jesu

Greift, am besten in kleinen Gruppen, das Bild von der Gemeinde als Körper Jesu auf, idem ihr den Körper als „Handlungsmedium“ betrachtet. Also quasi als eine Art Werkzeug, durch das man Handlungen durchführt. Dafür könntet Ihr zum Beispiel unterschiedliche Rollen verteilen (jemand ist eine Hand, jemand ein Arm, ein Fuß etc.). Der Kopf gibt dann Handlungsanweisungen, die die unterschiedlichen Körperteile dann ausführen sollen. Macht anhand dessen klar, dass es mit der Gemeinde und Jesus genau so ist. Jesus gibt die Anweisungen und sagt der Gemeinde was sie tun soll.

Gottes Liebe für die Welt

Lest gemeinsam Römer 13,8-10. Sprecht darüber, warum wir als Gemeinde den Menschen Gottes Liebe schuldig sind. Entwickelt dann in den Kleingruppen Vorschläge, was das konkret für euch als Gruppe bedeuten könnte. Präsentiert dann diese Vorschläge auf kreative Art und Weise im Plenum (Collage, kurzer Filmclip, Montagsmaler zum raten...). Diskutiert dann im Plenum über die Frage, wie ihr als Gruppe Gottes Liebe konkret weitergeben könnt. Bittet Jesus um Ideen und darum, dass er euch zeigt was dran ist. Vertraut darauf, dass er redet und euch Dinge aufs Herz legt. Und dass er schon etwas für euch in Petto hat. Dinge, die seine Liebe widerspiegeln. Dinge, die er für euch schon vorbereitet hat (Eph 2,10).

Sollte sich etwas Konkretes herauskristallisieren, dann solltet Ihr das angehen. Vielleicht kann ja an einem solchen Abend eine Idee dafür entstehen, wie Ihr in eurem Ort noch besseres Salz und noch helleres Licht sein könnt. Damit Menschen in Kontakt zu Gottes Liebe kommen. Denn Ihr seid Teil eurer Gemeinde und damit Gottes Botschafterinnen und Botschafter in dieser Welt.


Kevin Thielmann