Sie sind hier: Info, Material & Download / Themen / Inklusion
Tuesday, 16. January 2018

Inklusion

Hinschauen aufs  Zusammenleben

Am Beispiel einer Begebenheit zwischen Paulus und Petrus (Gal 2,11-14) soll deutlich gemacht werden, dass wir (unbeabsichtigt) Menschen ausschließen. Daher lohnt es sich mal genauer hinzuschauen.

Einstieg:

Der Einstieg soll deutlich machen, dass alle in der Gruppe wichtig sind, dass Zusammenleben nicht nur von irgendwelchen Starken organisiert werden kann. Dazu soll es ein kooperatives Spiel geben.

Vorschlag 1: Switch

Deine Gruppe steht im großen Kreis. Jeder hält seinen rechten Arm nach vorne, streckt den Zeigefinger und hält mit dem ausgestreckten Zeigefinger der rechten Hand einen hölzernen Stab – etwa einen Gymnastikstab – senkrecht vor sich stehend. So bilden die Stöcke einen Innenkreis.

Eins, zwei, switch! Auf dein Kommando lässt jeder den eigenen Stab los, greift den fallenden Stab des rechten Nachbarn und macht gleichzeitig einen kleinen Schritt nach rechts, tritt an Nachbars Stelle. Keiner der Stäbe darf dabei zu Boden fallen.

  • Die zweite Spielvariante:  Ohne ein vorausgeschicktes „Eins, zwei“ kommt dein unvermitteltes Kommando: „Switch“!
  • Eine dritte Spielvariante: Ein Teilnehmer wird bestimmt. Er gibt das Kommando, alle anderen müssen aufmerksam auf das Kommando „Switch“ warten.
  • Eine weitere Variante: Kein Teilnehmer wird bestimmt und jeder Teilnehmer kann sich jederzeit dazu entscheiden, das Kommando „Switch“ zu geben.
  • Eine vierte Variante: „Switch“ bedeutet den Stab rechts zu greifen. „Swotch“ jedoch meint den Stab des linken Nachbarn.

siehe: www.schulerlebnispaedagogik.de/spielesammlung/kooperationkommunikation/193-spielswitch.html

Vorschlag 2: Helium Stick

Die Gruppe stellt sich in zwei Reihen auf. Face to Face gegenüber.

Alle Spieler positionieren beide Hände mit pistolenartig gestreckten Fingern nach vorne. Im Reißverschlussverfahren zu den Händen gegenüber.

Als Spielleiter stellst du den Helium Stick vor. Einen langen, dünnen, leichten Stab. Du legst den Stab auf den Zeigefingern der Gruppe ab. Halte den Stab fest bis er auf allen Fingern gleichmäßig aufliegt!

Von nun an bleiben alle Zeigefinger zu jeder Zeit des Spiels am Stab!

Herausforderung für die Gruppe ist den Stab gemeinsam Richtung Boden zu bewegen und  auf dem Boden abzulegen. Löst sich dabei nur ein Finger vom Stab, wird die Übung neu gestartet.

Natürlich ist kein Helium im Stick. Es ist die Art wie die Gruppe zusammenarbeitet, die den Stab hoch in die Luft gehen lässt. Und der Stab geht zunächst nach oben! Nur durch gute Absprache und Strategie wird es möglich, den Stab gemeinsam auf dem Boden abzulegen.

siehe: http://www.schulerlebnispaedagogik.de/spielesammlung/kooperationkommunikation/201-heliumstick.html

!!! Wichtig Auswertung:

Das Einstiegsspiel sollte ausgewertet werden in einem Gespräch. Dabei  kann übergeleitet werden zu dem Bibeltext mit der Feststellung, dass wir einander als Gruppe brauchen, um zu funktionieren. Nicht einzelne „Starke“ können die  Aufgabe der Gruppe lösen. Umso weniger in einer christlichen Gruppe. (Randbemerkung: Es ist ein hohes FeG Ideal keinen auszuschließen und gemeinsam Aufgaben zu erledigen.)

Mögliche Fragen zur Auswertung:

Wie habt ihr die Aufgabe gelöst?

Was waren Probleme?

Wart ihr manchmal ungeduldig?

Habt ihr euch über andere geärgert?

Text

Gal 2, 11-14a)

11Doch als Kephas dann nach Antiochia kam,

stellte ich ihn persönlich zur Rede.

Denn er war im Unrecht:

12Zunächst hatte er nämlich

zusammen mit den Heiden gegessen.

Aber dann kamen einige Leute aus dem Kreis um Jakobus.

Da zog er sich zurück

und hielt sich von ihnen fern.

Denn er hatte Angst vor den Leuten jüdischer Herkunft.

13Und genauso heuchlerisch verhielten sich auch

die anderen Christen jüdischer Abstammung.

Ja, sogar Barnabas ließ sich

von ihrer Heuchelei anstecken.

14Damit verließen sie den rechten Weg,

wie er der Wahrheit der Guten Nachricht entspricht.

Als ich das sah,

stellte ich Kephas vor allen anderen zur Rede

 

Erläuterungen:

Ich= Paulus

Kephas= Petrus

Problem: Juden aßen nicht mit Nichtjuden. Sie hatten eine Reihe von Reinheitsgeboten beim Essen, die die Heiden (= Nichtjuden) nicht befolgten. Diese Reinheitsgebote bildeten somit eine klare Grenze zwischen Juden und Nichtjude. Der guten Nachricht von Jesus entspricht es aber, dass diese Grenze aufgehoben wird. Und Christen gemeinsam Essen und Feiern egal aus welcher Nation oder Kultur. Damit hatten die ersten Christen so ihre Probleme.

Begebenheit erzählen!

Die Geschichte erzählen, dabei deutlich machen, dass Ausgrenzung nicht Gottes Wille ist, aber dennoch passiert und dass es sich deshalb lohnt hinzuschauen.

Hinschauen konkret

Das genaue Hinschauen soll dann praktisch werden. Hierzu soll nach einer Selbsteinschätzung aller Teilnehmer gefragt werden.

Plakate, Fragen

Dazu sollen Klebepunkte auf Plakaten angebracht werden. Auf den Plakaten stehen die Fragen und es gibt eine Skala von überhaupt nicht bis total.

Hierzu eignen sich die Fragen aus: Inklusion vor Ort, der kommunale Index für Inklusion - ein Praxishandbuch, Montag Stiftung Jugend und  Gesellschaft.

Dort gibt es Fragen zu verschiedenen Bereichen u. a. zu inklusiven Werten:

Können sich alle Menschen gleichermaßen wohl fühlen?

Begegnen sich alle Menschen mit Wertschätzung und Respekt?

Ist es für alle selbstverständlich, dass Ausgrenzung und Diskriminierung nicht geduldet wird?

Wird es positiv erlebt, Unterschiedlichkeit und Vielfalt zu entdecken und sie zu erleben?

Können alle nachempfinden, wie es sich anfühlt, benachteiligt zu sein?

Fällt es Menschen auf, wenn andere Menschen oder Personengruppen beabsichtigt oder unbeabsichtigt ausgegrenzt werden?

Werden Menschen unterschiedlichen Alters gleichermaßen wertgeschätzt und ihre Erfahrungen einbezogen?

Wird die kulturelle Identität alle Menschen anerkannt, nicht nur die von ausgewählten  z. B. weißen oder europäisch geprägten ethnischen Minderheiten.

Werden eingefahrene Meinungen und Verhaltensweisen hinterfragt?

Ist es üblich, dass man anderen gerne hilft und selbst Hilfe in Anspruch nehmen kann?

Wissen alle wie man sich am Besten verhält, wenn man Zeuge von Ausgrenzung oder Diskriminierung wird und wird auch nach diesem Wissen gehandelt?

Ist es für alle selbstverständlich sich nicht über bestimmte Personen oder Personengruppen lustig zu machen oder sie schlecht zu behandeln?

Nicht alle Fragen werden passen, deswegen macht es Sinn 3-4 auszuwählen. Es macht Sinn wo möglich dafür zu sorgen, dass die Plakate geheim ausgefüllt werden, um mehr Ehrlichkeit zu ermöglichen.

Auswertung:

In einer Gesprächsrunde darüber austauschen. Was läuft gut? Wo haben wir Mängel? Was können wir besser machen? Wovon träumen wir?

Material

Einstieg:

Var. 1 so viele Stäbe wie Teilnehmer

Var. 2 ein Stab pro 6 Teilnehmer

Hinschauen konkret:

3-4 Plakate,

Klebepunkte 4 X Anzahl der Teilnehmer

 

Sebastian Strassburger